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Freitag, 23. Mai 2014

Textfragment Wie ist was?

Ich bemerke, ich drehe mich im Kreis. Thematisch scheint sich meine Konzentration kein Stück weit aus dem gewohnten Nest, auf dem ich seit Jahren über ungelegte Eier brüte, bewegt zu haben. Dabei ist all das, was Gesagt werden kann, gesagt und nachlesbar und das Weiterdenken für meinen Schmalspurintellekt undenkbar. Heideggers Sein lässt mir keine Zeit für die Fragen, deren Beantwortung mir mein Alltag abverlangt. Das Begreifen von all dem, was bereits durchdacht, bleibt ein Griff ins Nichts. Die Grenzen der Welt außerhalb der Gedanken, von mir bezeichnender Weise als das Leben an sich selbst benannt, drohen zusehends zu verschwimmen. Deutlich wird mir die Undeutlichkeit, auf die ich mich, auf der Suche nach Antworten auf Fragen die ursprünglich keineswegs philosophischer Natur waren, eingelassen habe. Die Welt in der ich bin, wird unbegreiflich. Mich eingeschlossen.

Meine Verirrung setzt den Irrglauben voraus, dass mehr Wissen oder vielmehr das Wissen an sich, um das was ist, zu einer Klarheit führt die mich erleichtert, allein schon im wissen darum. So, als ob es ein Ende der Fragen gäbe die mit der entsprechenden Antwort den inneren Frieden herstellt, nachdem ich zumindest in der Befragung suche. Weit verdacht! Denke ich - ohne es zu verstehen. Ich ahne, dass das Wissen, dem ich mich gewidmet habe, die komplexe Beschreibung einer Beobachtung ist - und sei es nur die gedankliche Hypothese, die in der Formulierung ihren Ausdruck in die Welt findet. Einfach gesagt: die Überschrift oder der Name von etwas. Wie es ist, bleibt verborgen wie die Persönlichkeit, die hinter jedem unserer Namen wirkt. Dabei frage ich um das Wirken und verwechsle die Beschreibung mit dem Erleben. Ich frage nicht: Was es ist sondern Wie es ist und alles, was ich darüber in Erfahrung bringe sind die Beobachtungen von jenen, die vielleicht das "Wie" erfahren haben, mir jedoch nur die Beschreibungen darüber liefern können. Mein Erleben bleibt außer acht.

Meine Unzufriedenheit über diesen Zustand, der sich als gedankliche Endlosschleife entpuppt, verlangt eine Überprüfung der Ausgangssituation - genauer genommen die Frage nach der Qualität der Fragen, die ich gestellt habe. Ich vermute, dass meine Fragen bis Dato keine andere Beantwortung als die für mich unbefriedigende zuließ. Wenn ich frage: was ist das rote Ding da drüben in der Ecke? Bekomme ich zur Antwort: Einen kirschroten, polymeren Festkörper, geformt zu einer Hülle, gefüllt mit einem Gasgemisch. Sofern der Name bekannt ist wird man mir antworten: ein Ball. Das Wesen wird nicht erfahren sondern beschrieben. Ich frage: was ist mir deutlicher als zuvor? Wie er wirkt und in welchem Verhältnis er zu mir, vielleicht in Bezug auf mein Bedürfnis nach Aktivität steht, bleibt benannt verborgen. Wenn ich fragen würde: wie könnte sich das rote Ding da in der Ecke auf mich auswirken? Wird es vielleicht klarer - besonders wenn die Information darüber selbst durch mich erlebt wird.

Wenn ich frage: Wie ist der Sinn von Sein? Wie steht er in Bezug auf mein Sein? Wie erlebt sich Sinnhaftigkeit, wie wirkt sie sich aus? Wie beantworten sich diese Frage? Sofern es nach der Beantwortung überhaupt noch einer Notwendigkeit bedarf, dem Erlebten einen Namen zu geben, ist vielleicht der Rückschluss im Erleben ein Hinweis auf den Namen, der mehr Sinn macht als Sinn an sich. Nichts wäre an diesem Punkt allgemein gültig - selbst die Reproduzierbarkeit einer Beobachtung bliebe im Erleben individuell und könnte keinen Anspruch an Wissen erheben. Die Wahrheit liegt vermutlich in der Wahrhaftigkeit oder besser an dem was vom erlebten War haften bleibt.