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Sonntag, 27. Juli 2014

Textfragment Flatulenz

Ich habe eine Meinung zur Meinung. Sie stinkt mir und zwar gewaltig! Selbst die eigene läuft mir zuwider, wenn sie sich in mir aufbläht. Dem Drängen unreflektiert nachzugeben um sich selbst Luft zu machen, ähnelt in der Art der Belästigung einer Verdauungsstörung, die sich lautstark und geruchsintensiv äußert. Ein "Wind-machen" sozusagen, dass Schmeißfliegen anzieht und gleichzeitig Brechreiz auslöst. Ich bin geneigt zu sagen: die Meinung ist die Flatulenz des schlichten Geistes, hervorgerufen durch die mangelnde Verdauung des Verstandes. Unbedacht wird das Gesagte zum Furz, der im ersten Moment anderen stinkt und in der nächsten Sekunde, substanzlos verweht. Manche Blähung hält sich zwar hartnäckig, doch verliert auch sie ihren üblen Geruch, wird erst der Beweggrund gelüftet.

So gesehen lässt sich manches "Auskotzen" und "Schaasreden" erklären. Einer lässt seine Meinung unbedacht fahren und setzt seine persönliche Geruchsnote, deren Nuancen mehr mit den inneren Zuständen des Pupsers, als mit der zur Debatte stehenden Problematik zu tun haben. Die Hemmung der Umgebung, selbst einen Furz darauf zu setzen, sinkt mit dem Grad der Offensichtlichkeit, dass es sich um "Schaas" handelt, der verzapft wurde. Es wird gefurzt, was das Zeug hält, um nachdrücklich zu betonen, dass der eigene Gestank nach Rosen duftet. Je mehr heiße Luft den Windungen entweicht, ob Hirn oder Darm ist an dieser Stelle nicht mehr eindeutig zuordenbar, umso hitziger und inhaltsloser wird diskutiert. Für jene, die blähungstechnisch nichts entgegensetzen können, bleibt das Auskotzen über den üblen Geruch, die olfaktorische Untermalung des Gesagten.

Selbst in schöngeistigen Gesprächen lässt sich so manches Pupu vermuten. Die sind zwar nicht so laut, riechen dafür umso strenger. Sprachgewandt erhält der Wind intellektuellen Auftrieb wobei auch hier die Substanz des Windes, dem, eines lauen Lüftchens gleicht, das über ein, mit Gülle gedüngtes Feld weht.

Manchmal ist es, wie mit dem Furzen in Fahrstühlen. Jeder weiß, wer ihn fahren ließ und der Ertappte unterstreicht sein Schuldbewusstsein mit schamrotem Gesicht. Das anfängliche Dementi wird abgelöst von Erklärungsversuchen, die die Zurechnungsfähigkeit des Furzes relativieren soll. Gerade so, als wäre man nicht Herr seiner Blähungen. Hier wird deutlich: das Zurücknehmen dessen, was entfahren ist, ist nahezu unmöglich.

Die Meinung stinkt wie ein Furz. Manchmal hilft ein geistiges Durchlüften - immer jedoch das Nachfragen, was man denn zu Verdauen hat, damit es oben nicht unreflektiert entweicht.