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Donnerstag, 13. März 2014

Märchenstunde - Die Prinzessin auf dem Scheiterhaufen

Es war einmal ein Königspaar, das wünschte sich ein Kind so sehr
Die Zeit verging von Jahr zu Jahr, die Sehnsucht wurde immer mehr

Im kleinen Reich der Wohlstand stieg, die Freude wurde knapp dafür
Und als das Herz beinahe schwieg da öffnete sich eine Tür

Dahinter stand die weise Frau, als Hex beschimpft, ihr Geist verkannt
Die Sitten waren grausam rau, drum wurde sie der Stadt verbannt

Sie sprach:

Ich hab von eurer Not gehört, ich helfe euch wenn ihr mir schwört
Dass ich ihr meine Welt darf zeigen, mein Wissen will nicht länger schweigen
Das Unrecht, das mir widerfährt von Unwissenheit wird es genährt
Drum will ich einen Einfluss haben auf die erzieherischen Gaben
Denn eine weise Königin, die nimmt kein Vorurteil mehr hin

Das Königspaar war einverstanden, der Schwur, er wurde ausgesprochen
Die Zweifel an der Heilkunst schwanden, der Bauch er wuchs nach ein paar Wochen

Das Licht der Welt hat sie erblickt, zur Morgenstunde rosa zart
Der Himmel hatte sie geschickt, mit Liebe wurde nicht gespart

Das Königspaar hielt nicht den Schwur, zu unbeschwert war nun ihr Leben
Der König reagierte stur, nie würde er sein Kind hergeben

Die weise Frau, sie mahnte ein und pochte auf ihr Recht
Der König lud sie ein zum Schein und schickte nach dem Folterknecht

Sie hat gebrannt an diesem Tag, der Hexerei beschuldigt
Sie holte aus zum letzten Schlag, trotz Schmerzen sprach sie geduldig

Prinzessin, du wirst anders sein, mein Wissen schenk ich dir
Selbst wenn dein Herz bleibt ewig rein, es wird dir ergehen wie mir
Das Vorurteil wird dir zur Last und dein Gedankengut
Es treibt dich an ganz ohne Rast, bis in die Feuerglut

Ein Ausweg bleibt, wenn es gelingt in Toleranz zu leben
Denn ich, ich zünde kein Feuer mehr an
Vielleicht kann ich dann vergeben
Nun liegt es an euch ob sie denn wird brennen
Die Hexe, so werdet ihr sie später nennen
Sie könnte euch führen wenn ihr es zulässt
Akzeptanz ist der Schlüssel oder der Asche Rest

Die Königin flehte, hinweg mit dem Fluch
Doch die Seele entschwebte wie ein Seidentuch

Starr standen die Leute, die Worte vernommen
Und jeder von ihnen war gänzlich beklommen

Die Worte verlacht, doch sie brannten sich ein
Die Angst war entfacht vor dem anders sein

Die Augen erkannten nun nicht mehr das Kind
Sie sahen die Hexe, die Furcht machte blind

Das Königspaar schloss ein das Kind, Schutz wollten sie ihr geben
Gerüchte zogen durchs Land geschwind, von Hexen die hinter Schlossmauern leben

Welches Unheil geschah, es lag nur an dem Fluch und der Hex in Prinzessingestalt
Die Geschichten darum füllten längst schon ein Buch und es regte sich erste Gewalt

Jedes Unwetter, das am Himmel aufzog, es nährte die blinde Wut
Die Hemmung verflog und man wünschte den Tod, der Prinzessin, der Hexenbrut

Der König bediente sich all seiner Härte, doch die Macht, sie begann zu entgleiten
Die Worte der Alten, die ein Kind ihm bescherte, begann jetzt auch ihn zu verleiten

Die Prinzessin verstand all die Aufregung nicht, aus dem Schloss in den Wald bracht man sie
Dort sollte sie bleiben und leben sehr schlicht, doch dann starb plötzlich das Vieh

Es war klar, wer es war, zum Teufel mit ihr, sie hatte zu sterben im Feuer
Ihr flehen nach dem Sehen, dass nichts anders war, war den Leuten schon gar nicht geheuer

So stand sie am Pranger, ihr Leben unterm Hammer der Richter die selbst Irrsinn glaubten
So sehr sie sich wandte, das Feuer, es brannte, in den Köpfen, die den Verstand raubten

Sie wurde verbrannt im Prinzessinengewand, keiner gedachte der Rede der Alten
So wurde auch sie nicht als Prinzessin erkannt und die Worte der Hoffnung verhallten

Der Scheiterhaufen brennt noch immer, die Angst vor Fremden schürt das Feuer
Unwissenheit macht es nur schlimmer, ein Menschenleben ist zu teuer

Der Scheiterhaufen zeigt uns an, wie eine Gesellschaft scheitern kann