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Dienstag, 1. April 2014

Textfragment Aufwind

Endlich Aufwind! Die Flaute hatte er hinter sich gebracht. Müde vom endlosen Rudern ohne wirklich von der Stelle zu kommen, genoss er nun die sanfte Brise von der er sich den nötigen Auftrieb erhoffte um endlich weiter zu kommen. Solange es stürmte, flehte er um Momente der Ruhe doch als sich die Wogen glätteten und die Welt plötzlich still stand, bemerkte er, wie sehr das eigene Stehenbleiben seiner selbst widerstrebte. Gegen die Regungslosigkeit anzukämpfen kostete genauso viel Kraft wie das Wehren in stürmischen Zeiten, als es darum ging, nicht in alle Windrichtungen vertragen zu werden. Sein Angehen gegen das Stillstehen erinnerte ihn an Momente aus seiner Kindheit, als er vergeblich versuchte die Rolltreppe zu bezwingen. Das Ziel vor Augen war es die Frustration über die Unzulänglichkeit der Schritte, des eigenen Tuns, die ihn bis hin zur Erschöpfung trieben, um sich resigniert von dem abzuwenden wonach sich das Ankommen sehnte. Jetzt war die Mühe wie weggeblasen. Dieser Anflug von Weiter, der ihm sanft über die Sorgenfalte strich, ließ alles von ihm abfallen von dem er selbst nicht wusste, dass er sich damit beladen hatte. Er hatte unerwartet Spielraum, der im Ermessen seiner Beweglichkeit lag. Sein Fortschritt war ein "Hin zu dem" was unmittelbar vor ihm lag, sich ausbreitete um sich gleichzeitig zum Horizont hin zu verjüngen um als Ziel wahrnehmbar zu bleiben. Sein händeringendes Rudern reduzierte sich auf wirkungsvolles Vorantreiben ohne zusätzliche Kraft in Anspruch zu nehmen. Der Auftrieb trieb voran und ihn vor sich her. Das Vorwärtskommen gelang wie von selbst.  Wie von Zauberhand reichte man ihm plötzlich selbstverständlich die Hand und jeder Handschlag wurde zum durchschlagenden Erfolg. Er hisste die Segel um neue, fremde Ufer zu erreichen, mutig darauf vertrauend, dass sein Aufwind ihn sicher überall ankommen lässt, von wo er seine nächsten Schritte setzt ums sich seinem Ziel näher zu bringen.Vergessen ist die Zeit, in der es anders war. Der Aufwind trägt die Erinnerungen fort, die ihn im Keim ersticken könnten. Kein Gedanke wird verschwendet, der versucht ihn an das Gestern gedanklich zu binden. Nur der Gedanke, der die Leichtigkeit beschreibt, verbreitet sie selbst in seinem Kopf, wird zu einem Selbstläufer. So hebt er ab, dank der Flügel aus Gedanken und durch die Leichtigkeit des Herzens, um dort zu landen, wohin ihn sein Aufwind trägt.