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Freitag, 7. März 2014

Textfragment Prädikat Wertvoll

Der Ruf nach Gleichberechtigung bleibt ungehört bis die Welt wahrnimmt, dass jedes Menschenleben einen Wert besitzt und zwar einen unbestreitbaren! Ich frage mich, ob Änderung grundsätzlich stattfinden kann, solange sich die Haltung dem gegenüber, das es zu verändern gilt, unverändert bleibt. Was nützt mir ein Recht, wenn mein Gegenübe der Ansicht ist, dass es mir im Grunde nicht zusteht. Aus diesem Umstand heraus hat sich meine Berechtigung, im Vergleich zu der eines anderen, verändert. Mein Anspruch darauf ist nicht gleich. Er wird mir subtil abgesprochen und selbst in mir könnte ein Zweifel entstehen, ob ich wirklich berechtigt bin, diesen Anspruch geltend zu machen. Erst durch die Zubilligung wird das Recht zum Recht, das vergleichbar gleich ist zu dem eines anderen, dem es ebenfalls zugebilligt wurde. Ähnlich sieht es mit den Chancen aus, die, wie breit gefordert, gleich sein sollen. Die Diskussion darum ist wesentlich diffuser, da der Begriff Chance letztendlich nichts anderes ist, als das Recht auf etwas, das unter Umständen (die gleich sein sollen?), geltend gemacht werden kann. Gleichzeitig impliziert es eine Übereinkunft darüber, dass die Ausgangslage, also die Zubilligung für alle gleich sein soll. Der Teufel steckt im Detail und ein wesentliches, nämlich der Verbleib des Wertes, wird aus der Annahme heraus, uneinforderbar zu sein, nicht zur Diskussion gestellt. Letztlich sind es leere Forderungen, die keiner Forderung bedurften, wenn der Wert des Menschen als gegeben und als unmessbar erachtet werden würde. Ich vermute, solange wir noch unterscheiden zwischen Mann und Frau, Inländer und Ausländer, reich und arm, Muslime und Hindus schaffen wir selbst Maßstäbe, an denen sich der Wert eines Menschen messen lässt. Zu indifferent ist unsere Wahrnehmung, als dass wir all das bewerten könnten, was das Mensch sein wertvoll macht. Aus dieser natürlichen und mangelhaften Betrachtung heraus behelfen wir uns der augenscheinlichen Unterschiede, die es zweifelsfrei gibt und bewerten diese. Ist der Mensch erst einem dieser Ordnungssysteme zugeordnet, unterliegt er dem Wert, der dem System Frau beispielsweise beigemessen wird. Dabei ist wesentlich, dass Gleiches von Gleichem unterschieden wird. Die Unterscheidung Mann - Frau gelingt erst, wenn man das Gemeinsame am Mann und Frau sein wahrnimmt. Was bedeutet Mann sein? Was haben alle gemein, die sich in diese Kategorie stecken lassen und was ist das gemeinsame der Frau? Erst so lassen sich Unterscheidungen treffen
Ich versuche mir vorzustellen, was sich ändern würde, gebe es diese Ordnungen nicht. Angenommen wir würden weiter vereinfachen und ein gemeinsames Vielfaches erkennen. Das Mensch sein an sich. Jeder könnte sich dieser Ordnung zuordnen und würde zwangläufig einen Wert beisteuern. Zumindest den eigenen. Die augenscheinlichen Unterschiede innerhalb der Ordnung, die es ja auch jetzt gibt (Frau ist nicht gleich Frau, besonders wenn es die eigene Mutter ist ...) würden, sofern diese Wahrnehmung verhaftet ist, keinen Unterschied machen. Es wäre lediglich ein Ausdruck von Varianz, die auch jetzt den Eingeordneten zugebilligt wird. Und was würde sich am Wert ändern? Was würde geschehen, wenn wir alle dem Menschen das Prädikat wertvoll verleihen würden? Würde noch jemand Gleichberechtigung fordern müssen? Oder Chancengleichheit, Nahrung, medizinische Versorgung, sauberes Trinkwasser, Sicherheit? Gäbe es dann überhaupt noch eine Notwendigkeit etwas für den Menschen zu fordern oder wäre es durch das Interesse jedes einzelnen schon erfüllt? Im Erkennen des Wertes, der mir wie dir innewohnt, liegt der Unterschied, der darüber entscheidet, ob wir am 08.03. den Weltfrauentag begehen oder nicht.