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Mittwoch, 26. Februar 2014

Textfragment Zielarbeit

Zielerreichungsvermeidungsstrategien haben immer das Ziel vor Augen, das es zu meiden gilt. Das absurde daran ist, dass sogar ein Weg hin zur Erreichung gewählt wird, da das unliebsame Ziel nicht aus dem Fokus der Selbstsabotage verschwinden darf. Zu gefährlich wäre es, durch Zufall darauf zu stoßen um somit in die missliche Lage zu geraten die Erreichung anzuerkennen und mit dem Ziel leben zu müssen, sofern man nicht die Courage aufbringt zu sagen: das will ich nicht! Das eigene Ziel über Bord zu werfen, besonders zum Zeitpunkt des Erreichens bedarf Mut, besonders sich selbst gegenüber. Der Moment des Hinterfragens wird zur Demaskierung, die oftmals Scham besetzte Seiten von uns selbst preis gibt, zu deren zur Schaustellung wir uns nun genötigt fühlen. Krisenhaft ist die Erkenntnis der Selbstverantwortung, der wir uns beugen müssen, nachdem es sich um das eigene Ziel handelt. Selbst wenn uns das Streben danach von außen schmackhaft gemacht wurde, hätten wir uns für etwas anderes entscheiden können, das unser Streben beflügelt hätte. Um nie in diese Situation zu geraten wählen wie das Scheitern auf dem Weg dorthin, da wir ohnehin nie ankommen wollen. Das Versagen selbst wird zum Ziel um sich vor der Zielerreichung zu schützen. Zu verlockend ist die große Mission, die von allen Seiten beklatscht wird und im Scheitern sogar andere dazu einlädt, die Umstände dafür verantwortlich zu machen. Im großzügigen spenden von Zuspruch wird das eigene Versagen von außen versüßt. Schlimmstenfalls wird das eigene Ungeschick dafür verantwortlich gemacht, das immer noch so etwas wie Charme besitzt und höchstens wohlwollendes Mitleid hervorruft. Wesentlich schwieriger ist es mit dem Kopfschütteln und dem Unverständnis umzugehen, sich gegen etwas, wofür man eigentlich war, zu entscheiden.
Das Theater beginnt im Grunde bei der Zielarbeit, also der Formulierung der eigenen Ziele, der nicht nur im Alltag zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wohin die Reise gehen soll wird nicht immer selbstbestimmt entschieden. Ziele werden übernommen, aufoktroyiert oder treffen schlicht auf das Heimspiel, welches einem schon längst zu wider läuft und im Scheitern des dazupassenden Ziels sich die Möglichkeit ergibt, sich der ganzen Spielerei zu entledigen. Die Formulierung ist entweder so wage, dass man selbst im Erreichen sagen kann, dass man das Ziel, so wie es gemeint war, nicht erreicht hat oder so körnig, dass die geringste Abweichung die Zielerreichung verhindert. Das Ziel ist so weit entfernt, dass man sich bis dort hin sicher verläuft oder so kurzfristig, dass das Erreichen vielleicht einem Superhelden gelänge, wenn er das Raum-Zeit-Gefüge beeinflussen könnte. Jeder, der sich beobachtet, stößt auf dieses Phänomen, das zumindest den Eindruck erweckt, dass wir Menschen Ziele brauchen, auch wenn es sich um Scheinziele handel. Ich frage mich, was macht ein Ziel wirklich erstrebenswert um nicht den Zielerreichungsvermeidungsstrategien zum Opfer zu fallen? Ich vermute, wir wollen in der möglichen Erreichbarkeit Sinn für uns sehen und diesen in der Zielformulierung zum Ausdruck bringen. Der Eigensinn wird zum Motor, der uns antreibt, das erreichbare Ziel über einen sinnvollen Weg zu erreichen.