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Montag, 24. Februar 2014

Textfragment Hand

Die Einfachheit der Geschichte sagt nichts über ihre Intensität aus. Manchmal liegt die Spannung gerade in der Übersichtlichkeit, die dazu einlädt unmittelbar einzusteigen ohne besorgt zu sein, sich im Wirrwarr der Story zu verlieren. Das Leben unter die Lupe nehmen, im Kleinen das Große entdecken, das sind Momente, die einen gefangen nehmen können, sofern man bereits ist, sich emotional dort einzufinden, wo sich das Leben in einer Schlichtheit regt und sich sukzessive in seiner Mannigfaltigkeit offenbart. Der Blumenstrauß an Emotionen, der sich in den stillsten Momenten verbirgt, wird zum Zentrum der Betrachtung, deren Hauptaugenmerkt in der Nachvollziehbarkeit und weniger in der detailverliebten Darstellung von Handlungen liegt.
Der magischen Moment, der in der  Berührung zweier Hände verborgen liegt, gehört vermutlich zu diesen Geschichten, die dazu einladen, das Offensichtliche mitzuerleben, das in der Kleinheit des Habitus ihren Umfang erst durch das Empfinden offenbart. Diese einfache Geste, der wir uns täglich und zeitlebens bedienen, ist für mich Sinnbild für das Große, das manchmal gerade in der Flüchtigkeit und Alltäglichkeit ihren Ausdruck findet. Die Hand, als banalster Hinweis auf die Geschichten die das Leben schreibt.
Ich beobachte die Hand einer Mutter, wie sie zärtlich fest die Hand ihres Kindes umfasst. Das behütende „An der Hand führen“ wird zur Seilschaft, aus der heraus sich die Welt offenbart und das Entdecken derselben zu einem freudvollen, unbeschwerten Unterfangen wird. Aus dem Griff erwächst die Freiheit, sich in Sicherheit wiegend, die Welt zu erobern.
Ich beobachte die schüchterne Hand der Liebenden, die Halt und Bestätigung gleichermaßen sucht. Die wage Andeutung der möglichen und unmöglichen Möglichkeiten, verunsichert durch die eigene Unsicherheit den eigenen Erwartungen und Bedürfnisse gegenüber, wird das Halten der Hände zum Versuch eine Antwort auf die Frage „wo führt das hin?“ zu finden und zu geben.
Ich beobachte den vereinbarenden Handschlag der erst durch seine Besiegelung Gültigkeit verleiht. Das Wort hält, was durch die Hand versprochen wird. Gleichzeitig bezeugt sie durch ihren Nachdruck von Macht und Ohnmacht, vom Nehmen und Geben. Von der Möglichkeit des Ausgleichs und der Übervorteilung durch den, der die Oberhand behält.
Ich beobachte die schwachen Hände, die einmal die Welt getragen und im Jetzt, wissend um das vergangene Geschick, einander die letzte Stütze sind. Die tröstende Hand zum Abschied, die pflegende Hand, die in ihrer Aufrichtigkeit den Eindruck von Respekt hinterlässt, wird in diesen oft sprachlosen Momenten der letzte Weg zur Verständigung über das was war, ist und wird.

Wir legen uns in unsere Hände und lassen sie unsere Geschichten schreiben. Der Moment der Ergriffenheit liegt manchmal in der einfachsten Sache der Welt. Im berührt sein durch eine Hand.