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Samstag, 18. Januar 2014
Textfragment Hoffnung
Meine Situation ist hoffnungslos. Im Grunde bin ich richtig froh darüber, dass ich diesen Schlussstrich gezogen habe. Die Suche nach dem Funken der Hoffnung, der offensichtlich nicht einmal für ein Strohfeuer reichte, gestaltete sich äußerst mühsam. Bis ich überhaupt so weit war, zu wissen, wonach ich zu suchen hatte, die Hoffnung nämlich, bedurfte es einer eingehenden Studie meiner Situation. Das bedeutete, dass ich zuerst herausfinden musste, wer für diesen Zustand, aufgrund des Verschuldens, zur Rechenschaft zu ziehen wäre. Dieser Jemand wäre dann verdammt nochmal dafür zuständig gewesen, den Zustand so weit zurückzuführen wie er war bevor er es herbeigeführt hatte! Als ich auf der Suche nach dem Schuldigen im Kindergartenalter angekommen war, habe ich aufgehört weiter darüber nachzudenken. Ich kann mich nicht mehr an den Namen des Mädchens erinnern, das mich wegen meiner Zeichnungen ausgelacht hatte. Auch die allgemein gültige Annahme, dass im schlimmsten Fall die eigenen Eltern dafür herhalten müssten, wenn etwas im Leben schief läuft, scheiterte an Ermangelung logischer Schlussfolgerungen. Einen eindeutig Schuldigen konnte ich beim besten Willen nicht ausmachen. In dieser Sackgasse gelandet, war mein nächster Schritt, jemanden zu finden, der kompetent genug wäre, meine Situation fachmännisch zu meinem Gefallen hin zu regeln. In meinem unmittelbaren Umfeld fand sich niemand. Das lag einerseits an meinem Anspruch an Kompetenz, andererseits hatte ich den Eindruck, dass wenig Interesse dafür bestand, meine Situation für mich zu lösen. Zu sehr waren sie mit ihren eigenen Geschichten beschäftigt. Gutes Geld in die Hand genommen musste ich mir von Vertretern der beratenden Berufsgruppe sagen lassen, dass ich es selbst zu lösen hätte - egal was sie für mich tun könnten. Mein Einwand, dass ich jemanden Kompetenten dafür möchte, also einen Fachmann, wurde lächelnd überhört. Nachdem kein Fachmann und kein Schuldiger aufzutreiben war, der sich für die Lösung verantwortlich zeigte, blieb mir nur die Hoffnung. Die Hoffnung, dass irgendwas irgendetwas veränderte und sich dadurch alles zum Guten wenden würde. Auf die Hoffnung gestoßen zu sein, gab mir Hoffnung. Ich dachte, jetzt habe ich etwas, wonach ich konkret suchen konnte. Einen Namen zumindest, der für Veränderung stand. Also beurteilte und untersuchte ich meine Situation auf Hoffnungsschimmer. Immer und immer wieder. Bis ich massiv an meinem Sehvermögen zu zweifeln begann. Dabei war ich fest im Glauben, dass es immer Hoffnung gibt - es liegt also nur an an meinen schlechten Augen, dass ich es nicht sehen kann. Der Augenarztbesuch bescherte mir eine Brille, von der ich mir mehr Sehvermögen erhoffte. Und tatsächlich - ich sah plötzlich messerscharf! Es lag auf der Hand! Wo es nichts zu suchen gibt, wird man auch nichts finden! Die Erkenntnis, dass meine Situation schlicht hoffnungslos war, beendete meine Auseinandersetzung mit meiner Situation schlagartig. Ich brauchte mich nie mehr darum zu kümmern! Befreit von der Situation, mit der ich ohnehin nichts mehr anfangen kann, wende ich mich jetzt dem ganzen Neuen zu, das vor mir liegt.
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