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Donnerstag, 20. März 2014

Textfragment Angst

Was uns trennt ist Angst. Es ist nicht die Herkunft, das Geschlecht, die Sexualität, oder der Altersunterschied, die Distanz schaffen. Es sind mehr oder weniger gut erkennbare Unterschiede, die für sich genommen, neben einander stehen können. Es sind Beschreibungen der Vielfalt die unsere Welt hervorbringt, um erkennbar zu machen, dass wir nicht ein und das Selbe sind. Nichts davon weist auf die Größe, die Bewertung des Unterschieds hin. Er wird festgestellt, festgemacht, manchmal verortet. Aus der Sicht der Unterscheidung handelt es sich um Merkmale, die eine Varianz zum Ausdruck bringt. Gleichzeitig unterliegen die Unterschiede dem Bewertungssystem des Beobachter, also demjenigen, der diese Unterschiede wahrnimmt. In diesem Moment geschieht etwas, dass plötzlich Distanz schafft, die manchmal leicht spürbar ist, manchmal unüberwindbar scheint und manchmal bis hin zur Auslöschung der "Andersartigkeit" führt. Die Bewertung interpretiert, warnt, moralisiert ohne sich auf das Offensichtliche zu beschränken. Jede Eventualität, jede bisherige,oft nicht einmal selbst erlebte Erfahrung, sogar die Märchen aus der Kindheit scheinen der Bewertung auszureichen um Angst zu entfachen, die uns veranlasst, zumindest geistigen Abstand zu nehmen. Die Bewertung generiert Bilder der Konsequenzen für unsere Existenz, die wahr werden könnten, wenn wir uns mir dem Unterschied auseinander setzten, sofern wir ihn nahe genug an uns heran lassen. Viele dieser Bilder, die oft keiner näheren Begutachtung unterzogen werden, machen uns Angst. So sehr, dass wir einzig das trennende Element wahrnehmen und genau in dieser Trennung, die sich in Gettos, Gesetzen und brennenden Wohnheimen wiederspiegelt, den Schutz suchen, um nicht dem halluzinierten Schicksal ausgeliefert zu sein. Wir fürchten uns und suchen Schutz in Spott und Hohn bis die Hasstirade die johlende Menge zur todbringende Masse werden lässt. Wir unterdrücken um den Abstand zu den "Emporkömmlingen" möglichst lange möglichst groß halten zu können und schrecken nicht davor zurück, im Angriff die beste Form der Verteidigung zu sehen. Die Angst macht uns blind und taub. Sie lässt uns kein Mitgefühl empfinden. Was uns im Falle der unmittelbaren Gefahr das Überleben sichert, wird selbst zur Gefahr, wenn wir uns von unserer eigenen Bewertung in Angst und Schrecken versetzen lassen.